Das wirtschaftliche Umfeld des vergangenen Jahres kann kaum als ideal bezeichnet werden – und unter dem Eindruck von Krieg und steigenden Zinsen sind auch die Aussichten nur schwer kalkulierbar. Von all diesen Ungewissheiten haben sich Käufer und Verkäufer in und aus der Schweiz im vergangenen Jahr jedoch absolut unbeeindruckt gezeigt und stellten einen Zehnjahresrekord bei der Anzahl der Fusionen und Übernahmen auf. Finanzunternehmer Artan Qelaj aus Zürich fasst einige zentrale Ergebnisse einer KPMG-Studie zum Schweizer M&A-Markt zusammen.
Private-Equity-Investoren unter den wichtigsten Akteuren im Schweizer M&A-Geschäft
So viele Fusionen und Übernahmen hat der Schweizer M&A-Markt seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen: Insgesamt 647 M&A-Transaktionen mit Schweizer Beteiligung im Wert von 138,5 Milliarden US-Dollar wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen. Mit diesem neuen Höchstwert lässt 2022 sogar das bisherige Rekordjahr 2021 hinter sich: Damals kam es zu 604 Fusionen und Übernahmen, das Transaktionsvolumen erreichte dabei einen Wert von knapp 170 Milliarden Dollar.
Wie der Zürcher Finanzunternehmer Artan Qelaj hervorhebt, zählten Private-Equity-Investoren dabei erneut zu den Hauptakteuren beim Schweizer M&A-Geschäft: 194 der Transaktionen fanden mit PE-Beteiligung statt, somit waren Finanzinvestoren bei fast einem Drittel aller Abschlüsse involviert. Der Transaktionswert der Deals mit Private-Equity-Beteiligung belief sich auf 35 Milliarden US-Dollar.
Schweizer kauften mehr als sie verkauften
Grenzüberschreitende Transaktionen machten erneut einen grossen Anteil an den Fusionen und Übernahmen mit Schweizer Beteiligung aus. Auffällig ist aus Sicht von Artan Qelaj dabei, dass sich die Schweizer als deutlich aktiver erwiesen als ihre ausländischen Pendants: Sie kauften signifikant mehr Firmen im Ausland als es ausländische Käufer für Schweizer Targets gab. Während es zu 283 grenzüberschreitenden Deals mit Schweizer Käufern kam, wurden lediglich 152 Schweizer Unternehmen an Firmen im Ausland verkauft. Innerschweizerische Transaktionen zeichneten mit 127 Deals für rund ein Fünftel aller Fusionen und Übernahmen verantwortlich. Bei 85 Transaktionen (rund 13 Prozent der Deals) wurde ein Auslandsunternehmen durch einen Schweizer Verkäufer an einen ausländischen Abnehmer veräussert.
Pharmasektor und Life Sciences zählen zu den aktivsten Branchen
Bezüglich der Aktivitäten in den unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen hebt Artan Qelaj eine weitere Besonderheit hervor. Denn hier lässt sich eine deutliche Konzentration beobachten: Der Telekommunikations- und Technologie-Sektor (TMT), die Industrie sowie die Pharma- und Life Sciences-Branche machten zusammen fast die Hälfte aller M&A-Deals aus. 124 Transaktionen im Wert von 14,5 Milliarden US-Dollar entfielen dabei auf den TMT-Sektor, 89 Abschlüsse mit einem Volumen von 6,5 Milliarden US-Dollar auf die Industrie. Mit 82 Transaktionen im Gesamtwert von knapp 13 Milliarden US-Dollar macht der Pharma- und Life Sciences-Sektor das dritte der aktivsten Segmente des M&A-Marktes aus.